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Hyperhidrose verstehen: Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten bei übermäßigem Schwitzen

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Starkes Schwitzen kann den Alltag erheblich belasten. Erfahre, welche Ursachen hinter Hyperhidrose stecken, wie die Diagnose erfolgt und welche Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen.

Schwitzen reguliert die Körpertemperatur und ist damit eine sinnvolle Funktion des Körpers. Bei manchen Menschen produzieren die Schweißdrüsen jedoch deutlich mehr Sekret, als zur Kühlung notwendig wäre. Mediziner sprechen dann von Hyperhidrose. Betroffen sind häufig Achseln, Hände, Füße oder das Gesicht. Für viele Patientinnen und Patienten bedeutet das mehr als ein unangenehmes Gefühl, denn ein Handschlag, ein Vorstellungsgespräch oder ein Sommertag im Büro können zur echten Belastung werden. Häufig beginnt die Erkrankung schon in jungen Jahren und begleitet Betroffene über lange Zeit, bevor sie sich überhaupt zu einer Abklärung entschließen.

Primäre und sekundäre Hyperhidrose: zwei unterschiedliche Ursachen

Nach der S1-Leitlinie zur primären Hyperhidrose der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften tritt die Erkrankung meist als primäre Form auf, seltener als sekundäre, symptomatische Form. Der primären Hyperhidrose liegt keine internistische Erkrankung zugrunde. Fachgesellschaften beschreiben sie als komplexe neuropathische Dysregulation der Schweißdrüsenaktivität mit teils erblicher Komponente, sie beginnt oft schon im jungen Erwachsenenalter und betrifft bevorzugt Areale mit hoher Schweißdrüsendichte, also Achseln, Handflächen und Fußsohlen. Die sekundäre Form kann dagegen mit hormonellen Störungen, Infektionen, neurologischen Erkrankungen oder bestimmten Medikamenten zusammenhängen und tritt meist am ganzen Körper auf, nicht nur lokal begrenzt.

Wer wiederholt unter starkem, örtlich begrenztem Schwitzen leidet, sollte die Ursache fachärztlich abklären lassen, bevor eine Behandlung gewählt wird. Spezialisierte Praxen bieten dazu eine diskrete Erstberatung an, etwa zu Botox gegen Schwitzen oder zu alternativen Verfahren wie der Iontophorese.

Diagnose: Schweregrad einordnen und Ursache bestimmen

Zur Einschätzung des Schweregrads nutzen Ärztinnen und Ärzte international die Hyperhidrosis Disease Severity Scale, eine vierstufige Skala, die danach fragt, wie stark das Schwitzen den Alltag einschränkt. Ein Wert von 3 oder 4 gilt als schwere Ausprägung, ein Wert von 1 oder 2 als mild bis moderat. Ergänzend kommen objektivere Methoden zum Einsatz: die Gravimetrie und der Iod-Stärke-Test, mit denen sich die Schweißmenge messen und das betroffene Areal eingrenzen lässt. Anhand von Anamnese, Klinik und diesen Tests wird dann auch zwischen primärer und sekundärer Form unterschieden, denn davon hängt das weitere Vorgehen ab. Als typische Hinweise auf eine primäre Form gelten ein symmetrisches Schwitzmuster, ein Beginn vor dem 25. Lebensjahr, eine Reduktion der Beschwerden im Schlaf sowie eine familiäre Häufung.

Therapie nach Stufenschema: von Antitranspirantien bis Botulinumtoxin

Die Behandlung der primären Hyperhidrose folgt üblicherweise einem Stufenschema. An erster Stelle stehen topische Antitranspirantien auf Basis von Aluminiumchlorid, meist in einer Konzentration von 15 bis 20 Prozent für die Achseln und 20 bis 30 Prozent für Hände und Füße. Reicht das nicht aus, gilt die Leitungswasser-Iontophorese als Standardtherapie, vor allem bei palmoplantarer Hyperhidrose an Händen und Füßen.

Bei stärkerer Ausprägung kommt häufig die Injektion mit Botulinumtoxin A zum Einsatz, ein Verfahren, das laut Leitlinie speziell bei schwerer primärer Achsel-Hyperhidrose vorgesehen ist, wenn topische Antitranspirantien nicht ausreichend wirken. Der Wirkstoff blockiert gezielt die Reizübertragung zwischen Nerv und Schweißdrüse, sodass weniger Schweiß produziert wird. Die Wirkung hält in der Regel mehrere Monate an, danach kann die Behandlung bei Bedarf wiederholt werden. Verfahren mit Radiofrequenz, Mikrowellen oder Ultraschall sowie, in schweren und therapieresistenten Fällen, operative Eingriffe wie die Sympathektomie runden das Behandlungsspektrum ab.

Beratung als erster Schritt

Welches Verfahren im Einzelfall geeignet ist, hängt von Lokalisation, Schweregrad und individueller Vorgeschichte ab. Eine fachärztliche Beratung klärt nicht nur die Diagnose, sondern auch, welche Therapieform realistische Ergebnisse erwarten lässt und ob eine teilweise Kostenübernahme durch die Krankenkasse infrage kommt, was bei medizinisch begründeter Hyperhidrose mitunter möglich ist. Wer betroffen ist, sollte diesen Schritt nicht aufschieben, denn je früher die Ursache geklärt ist, desto gezielter lässt sich die passende Behandlung auswählen.

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